PC166 Die Psychodynamik der Hilflosigkeit - Alex im Gespräch mit Dr. med. Kamiar Rückert

In dieser Episode spreche ich mit Dr. Kamiar Rückert über das komplexe Thema der Hilflosigkeit in der Psychotherapie. Wir beleuchten, wie Hilflosigkeit entsteht, welche Formen es gibt und wie sie in klinischen Situationen erkannt und behandelt werden kann. In dieser Folge spreche ich mit Kamiar auch über die Komplexität der psychotherapeutischen Beziehung, die Bedeutung von Zeit in der Therapie und die Herausforderungen des Gesundheitssystems bei der Behandlung psychischer Erkrankungen. Viel Spaß!

Die Themen der Episode

Unterscheidung zwischen objektiver und subjektiver Hilflosigkeit
Die Rolle der Selbstkontrolle bei Hilflosigkeit
Wut als Ausdruck von Hilflosigkeit und ihre Auswirkungen auf Beziehungen
Traumatische Erfahrungen und ihre Verbindung zur Hilflosigkeit
Therapeutische Strategien zur Behandlung von Hilflosigkeit Die innere Dynamik in therapeutischen Beziehungen erkennen
Die Bedeutung von Zeit und Kontinuität in der Psychotherapie
Herausforderungen des Gesundheitssystems bei der Behandlung psychischer Erkrankungen
Die Rolle der Beziehung zwischen Therapeut und Patient
Verständnis von Hilflosigkeit und deren Überwindung
Die Entwicklung von kollektiver und geteilter Intentionalität bei Kindern
Die Auswirkungen von aversiven Kindheitserfahrungen auf die psychische Gesundheit
Strategien zur Überwindung von Hilflosigkeit in der Therapie

Kapitel

00:00 Einleitung und Vorstellung des Themas
02:11 Was ist Hilflosigkeit? Definition und Dimensionen
07:03 Ursachen und Auslöser von Hilflosigkeit in der Klinik
11:55 Das Konzept der erlernten Hilflosigkeit
20:00 Hilflosigkeit bei Trauma und in der Psychosomatik
29:51 Therapeutische Herausforderungen bei hilflosen Patienten
39:56 Fallbeispiel: Patientin mit unheilbarem Hirntumor
49:59 Beziehung und Hilflosigkeit: Wie beeinflusst sie die Therapie?
01:00:05 Strategien zur Überwindung von Hilflosigkeit in der Therapie

Links

Kamiars Homepage: https://www.kamiarrueckert.com/
Kamiars Buch zur Hilflosigkeit: https://amzn.to/4qtU2s4
Kamiars Video zur Psychosomatik: https://www.youtube.com/watch?v=ibNP4YpCLfM
Kamiars Substack: https://kamiarrueckert.substack.com/

Der PsychCast Psychosomatik Podcast: https://psychcast.de
Alex Substack „Der Psychosomatik Brief“: https://psychosomatik.substack.com/
Alex Buch zur Psychosomatischen Medizin: https://amzn.to/4ggAbYI

Andreas & Alex Niederlassungskurs Psychosomatik und Psychotherapie: https://psychcast.de/niederlassungskurs/

Die Podcast-Episode mit Bild ist hier:


5 Gedanken zu „PC166 Die Psychodynamik der Hilflosigkeit - Alex im Gespräch mit Dr. med. Kamiar Rückert“

  1. Vielen Dank lieber Alex für dieses hoch spannende Thema.
    Hilflosigkeit und konkret erlernte Hilflosigkeit ist ja auch für den entgegen gesetzten Pol der sehr stark autark,autonom und kontrolliert.Beide mögen die gleiche „Ursache“ haben aber in entgegengesetzte Richtung gehen.Ich würde die erlernte Hilflosigkeit mit dem vielleicht artverwandten Thema autoritären Erziehung verorten.Trotz,Autarkie &Autonomie wäre dann ja der der Gegensatz zu Hilflosigkeit.
    Ich bin selbst in der DDR aufgewachsen-wo vielleicht das Thema Autorität nochmal eine besondere Bedeutung hat.
    Als Selbständige bin ich als Arbeitgeberin auch selbst bei meinen Mitarbeitern mit dem Thema konfrontiert wenn diese entschuldigend die Arme heben und mir erklären dass sie etwas nicht können weil sie zu dumm seien-sie bezeichnen sich also selbst als zu dumm was mich wiederum auch hilflos und ratlos und eher sehr wütend macht und mich schon sehr herausfordert weil ich nicht weiß wie ich damit umgehen und adäquat umgehen soll,wie ich sinnvoll soll.
    Cecile Loetz&Jakob Müller schreiben in ihrem Kapitel zu autoritären Erziehung dass die Selbständigkeit und Autonomie überwiegend eher „aufgezwungen“ also „Coping“ ist.Fällt mir auch selbst bei mir selbst auf die ich in die Autonomie&Autarkie-Richtung gehe,umso mehr abwehrend auf Hilflosigkeit Anderer reagiere.

  2. Ergänzend zu meinem ersten Kommentar und nachdem ich Eure ganze,sehr interessante und auch sehr bewegende Folge auch wie Ihr als Ärzte selbst umgeht mit Eurer Hilflosigkeit wenn Patienten einerseits Hilfe einfordern und diese gleichzeitig abbrechen.
    Hilflosigkeit spielt vermutlich auch in Kontext von Narzissmus oder Borderline oder anderen eher hordergründig „hochfunktionalen“ Störungsformen eine erhebliche Rolle wobei vermutlich familiär überlieferte Dynamiken eine Rolle spielen.Ich habe gelesen-Andreas Knuf- dass noch bis in die 80er Eltern ihren Kindern gegebenüber keine Emotionen zeigten.Alexithymie mag vermutlich auch eine Rolle spielen.Im Kontext autoritärer Erziehung wird ja auch das Schreien lassen von Babys und fester Fütterzeiten erwähnt.Dazu las ich vor vielen Jahren mal dass Mädchen teils auch heute noch auf Funktionieren erzogen werden wo anerzogene Unselbständigkeit und damit Hilflosigkeit in autoritären Systemen ja auch gut ins System passen.
    Interessant sind vielleicht in Zusammenhang mit Hilflosigkeit noch Prokrastination/Demand Aboindance und bei ASS als einem Hauptkritium Theory of Mind/Mentalisierungsfähig-keit/ Schwierigkeiten in der zwischenmenschlichen Interaktionen.Wenn Iich das richtig verstanden habe ,hängen autoritäre Erziehung-Autoaggression ggf auch aufgrund von Hilflosigkeit auch zusammen,auch wie ich las in Zusammenhang mit hochfunktionalen Kontexten z.B. Burnout-wovon z.B. auch Bert te Wildt in „Burn on -immer kurz vorm Burnout“ schreibt.
    Ein Problem von Hilflosigkeit-ihr erläutert das ja auch,ist dass kaum Fähigkeiten zum „Umgang „mit Emotionen wie Wut oder Enttäuschung vorhanden weil dieser auch nirgendwo gelehrt wird.

    Hilflosigkeit und Schwäche sind ja sowieso schon schwierig genug einzugestehen und gefühlt wirkt es ja nach außen erstmal “ stärker“ wütend auszagieren,weil Wut eher ein starkes Gefühl ist und Schwäche ja sowieso in dieser Gesellschaft sehr stark verdammt ist.

    1. Korrektur: Demand-Avoidance
      Ist zusammen mit
      Prokrastination vielleicht auch ein interessantes Themenfeld weil auch da die Ursachen komplex sein können.
      MBT bzw Mentalisierungsfähigkeit hattest Du ja in Psychcast Aktuell in Bezug auf eine Studie erwähnt-wäre auch ein super interessantes Thema weil da vermutlich häufiger Schwierigkeiten zu weiteren Konflikten und Schwierigkeiten im Alltag oder im Beruf führen Vielleicht auch gerade in Zusammenhang traditioneller Erziehung zu eher neueren bindungs- und bedürfnisorientierten Ansätzen.Wobei Wenn ich mich darüber mit den 60ern unterhalte die allesamt noch autoritär erzogen wurden,da manchmal der Unterton schon ziemlich ironisch und spitz wird.In die Dynamik fällt vielleicht auch das Thema alter-der „schwarzen Pädagogik“ zuzuordnender Erziehungsmethoden wie drohen,beschämen genauso wie körperlicher Züchtigung etc.Wobei Hilflosigkeit ja das komplette Gegenteil wäre von Selbstwirksamkeit als einen wichtigen Resilienzfaktor und auch da schließt sich schnell der Kreis: das was Resilienz ausmacht war früher genau nicht Intention autoritärer Erziehung die vielleicht gerade in Hinblick auf das Frauen zugewiesene patriachalische Rollenbild eben auch Hilflosigkeitsmuster hervorbrachte.Es ist höchste Zeit das Thema auch psychodynamisch und als System zu betrachten und das Thema zu ent- tabuisieren.Mag also gerade die in einer solchen Erziehung gerade Frauen nicht zugestandene Selbstbehauptung ein Grund für die vielen Erschöpfungserkrankungen sein,die Fähigkeit „nein“ zu sagen überhaupt erstmal wieder erlernt werden muss? Ich hatte das ja schon erwähnt- Frauen wurden traditionell vielleicht um bei Eurem Beispiel mit der Enttäuschung zu bleiben eher dazu erzogen, ihren Ärger herunter zu schlucken und die Harmonie zu bewahren.An anderer Stelle las ich, dass auch Frauen die ihrem Ärger Luft machen als hysterisch gelten wohingegen beim Mann dies erwartet wird, dass er sich durchsetzt.Habe Ich im übrigen selbst als Frau- Ingenieurin-in einem Männerdominierten Beruf erlebt,Zitat meines Kollegen (Jg 1961 – damit 20 Jahre älter als ich)der in meiner Gegenwart mal seine Erwartungen an die “ Tibbeltabbel-Mäuselchen“ erläuterte, wenn ich mal wieder aus gegebenen Anlass meinem Ärger Luft machte: “ Ja was hat sie nur wieder, was ist nur wieder in sie gefahren“.

  3. Besonders schwer erträglich finde ich Formen von Hilflosigkeit bis gar Ohnmacht wo Menschen auch behördlicher etc. Willkür oder Macht oder Profitgier ausgesetzt sind,wo es um Dinge ganz allgemein geht die schlichtweg ungerecht sind,wo es also um eher bosartig narzisstische Motive geht oder in wenige drastischer Form wo es um politische und komplett an Sinn und Bedarf vorbei gehenden Fehlentscheidungen geht die wie bei den Kürzungen bei der Psychotherapie aber auch den Verschlechterungen für Energieeffiziente Sanierungen und permanenten auch versteckten und permanenten Richtlinien- Änderungen geht, ohne dass da mit Petitionen etc Möglichkeiten der Einflussnahme vorhanden sind.
    Ich habe da leider aus Therapeutischer Seite inkl Coach auch schon Beschwichtigungen oder Kommentare kamen dass ich mich wieder auf meiner Bühne befände oder Ideen gehört dass man angeblich ja Möglichkeiten der Einflussnahme hätte.Klar theoretisch bin ich dafür in einem Fachverband wo ich erwarten würde dass da Einflussnahme erfolgt wo teils sogar Kammern zwar proforma angehört aber dann quasi ignoriert werden.

  4. Das wäre auch nochmal eine Idee,eine Folge über Behandlungsfehler, Fehldiagnosen bzw. globaler über Fehlerkultur in der Psychotherapie zu machen weil ja auch solche Fehler ggf auch Hilflosigkeit entweder invalidieren oder berhaupt erst verursachen.

    Ein Thema ist in diesem Zusammenhang die Einbeziehung von Angehörigen,insbesondere wenn aus den Interaktionen mit den Angehörigen die Hilflosigkeit verursacht wird und ggf vom Therapeuten nicht erkannt wird.

    Kommt ja leider gerade bei bisher unerkanntem Asperger- Autismus oder ADHS schon mal vor.Algemein wird bei Asperger &ADHS eher ja Verhaltenstherapie empfohlen und von TP/Psychoanalyse wird ja eher abgeraten.Eigentlich sehr schade, denn aufgrund der Wirkfaktoren und dem Fokus auf Emotionen.

    Würde eben primär weit mehr Empathie und Vorrang des gesunden Menschenverstandes gegenüber den Theorien der eigenen Fachrichtung bedeuten.

    Stelle ich mir echt schwierig vor,auf ggf subjektiv nochmal verstärkt empfundenen Hilflosigkeit angemessen einzugehen und ggf der Emotion erstmal Raum geben und ggf auch nachzugehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen