PC066 Suizidalität

In der 66. Ausgabe des PsychCast sprechen wir über Suizidalität und versuchen dabei, Behandlern wie Ärztinnen und Ärzten, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Krankenpflege und vielen anderen mehr nützlich zu sein.

Im Rahmen eines Podcasts kann leider Betroffenen nicht geholfen werden – sehr wohl aber durch persönliche, individuelle Hilfe. Bist Du betroffen von Depression und Lebensüberdruss oder einer Krise? Unter der kostenfreien Rufnummer 0800 / 111 0 111 oder 0800 / 111 0 222 bekommst Du schnell und anonym professionelle Hilfe. Ebenso ist eine anonyme Chatberatung oder eine Mailberatung sowie auch eine Vor-Ort-Beratung möglich.

 

10 Gedanken zu „PC066 Suizidalität

  1. Danke für diese aufschlussreiche Sendung! Mein Respekt vor Psychiatrie und Medizin allgemein wächst mit jeder Folge. In meinem (nahen) Umfeld bin ich leider mit Suizidalität konfrontiert und fühle mich sehr überfordert und hilflos, da ich nicht professionell ausgebildet bin. Dies kann bis zu Aggressivität gegenüber Depressiven führen (“Dann tu´s doch endlich!”). Es ist erschreckend, wenn die Empathie verloren geht.
    Suizidalität wird in jedem Fall gesellschaftlich verdrängt und eher totgeschwiegen, die Krankheit, die dahintersteht, wird wenig erkannt. Der Schein der Normalität wird meist solange irgend möglich aufrechterhalten, co-abhängige Menschen unterstützen dies.
    Kinder und geschlossene Anstalt sind keinesfalls protektiv.

  2. Es ist aus dieser Darstellung und Erörterung sichtbar geworden, wie kostbar und aller Bemühung wert ein einzelnes Menschenleben erachtet wird. so daß der blick gleich suchend schweift, wie kann mir das leben so kostbar sein.
    und all die entgegenkommende freundlichkeit im alltag wiegt mehr als wenn mal mißgelaunte oder negativer handelnde menschen mir gegenüber sind…

  3. In so einer Situation ist es für Patienten um so schlimmer wenn sie zudem noch Verhöhnung, Demütigung oder Aggression vom Behandelnden erfahren müssen. So machen das natürlich nicht alle, kommt aber leider vor. Gedanken sind frei und Gefühle wie z.B. Wut und Ärger zu haben ist okay nur sollte man diese starken Emotionen nicht beim Patienten abbauen. Da aber das Leben nicht immer Fair ist und nicht alle Menschen immer so Sozial kompetent sind und sich die Lage hin und wieder trotzdem auch mal bei Helfenden Personen emotional zuspitzen kann, denke ich mir, wäre es praktisch zu wissen wie man so eine emotionale Bombe auch kontrolliert hochjagen kann ohne Patienten als Blitzableiter zu benutzen. Vermutlich haben Psychiater, Psychologen, Helfende in der Psychiatrie etc. eher ne Idee davon wie man mit seinen eigenen Emotionen umgehen kann als Ärzte, Helfende etc. die nicht direkt oder nicht nur mit psychisch erkrankten Menschen zu tun haben. Da es aber sehr wichtig ist für jeden Menschen emotionen verarbeiten/ abbauen zu können habe ich mal gesammelt was mir so einfiel wie man das schaffen könnte um sich selbst zu entlasten ohne Patienten zu belasten:
    ●Rollenspiel z.B. mit einen Freund.
    ●Boxen am Boxsack und das was man am liebsten den Patienten am Kopf knallen wollte/will mit Fäusten und Worten rauslassen.
    ●Sport allgemein
    ●Supervision
    ●Meditation/Entspannungsübung
    ● Skills für Borderliner (dürfen natürlich auch Behandler nutzen ^^)
    ● z.B. Workshops in denen man lernt mit schwierigen Situationen bzw. mit seinen eigenen Emotionen besser umgehen lernt. (Hab leider keine Adressen usw.)

    Und da gibt’s vermutlich noch ne Menge mehr was man tun könnte. Darum kann diese Sammlung gerne noch für die Allgemeinheit ergänzt werden 🙂

    Ich fand das dieser Podcast abgesehen davon das er über Suizidalität aufklärt auch ein Bewusstsein dafür geschaffen hat, dass auch Behandler Menschen mit Emotionen sind, was man respektieren und wertschätzen sollte. Das hat echt zum nachdenken angeregt. Da psychisch erkrankte Patienten emotional zunächst auch erst mal mit sich genug zu tun haben und wohl kaum darüber nachdenken wie der Behandler sich im Augenblick fühlt und was er denkt, bleibt das Verständnis dafür dass Behandler auch Emotionale Wesen sind auch eher auf der Strecke.
    Manchmal treffen Patienten und Behandler ja auch länger aufeinander, z.b. in längeren Therapien und Rehabilitationen. Da wäre meine Idee das dieses Bewusstsein “Vom Behandler als Mensch mit Emotionen” z.B. in der Gruppe/Versammlung/kurzer Workshop etc. Thematisiert/transportiert/wie auch immer vermittelt wird?
    Ich denke Patienten können verstehen wenn man den Richtigen Zeitpunkt wählt und es ihnen vernünftig erklärt, dass Behandler auch Menschen mit Gefühlen sind 😉

    • Hallo Saskia,
      danke für die Tipps für Helfer. Ich nutze sie bereits intensiv und es hilft wirklich sehr, um gesunde Distanz zu entwickeln, sich nicht “bedroht” zu fühlen und dann auch wieder handlungsfähig zu sein.
      Liebe Grüße

      • Hallo.
        Sehr gerne.

        Hier noch:
        ●Einen Brief/Tagebuch etc. schreiben.
        ●Malen/ bauen/basteln…(sich künstlerisch ausdrücken).
        ●Ein Seifenstück in ein Handtuch wickeln und damit auf die Couch/Bett einschlagen.(Als Alternative zum Boxsack).

        Bei Google, DBT Skillsammlung bzw. DBT Stresstoleranzskills eingeben. Da findet man noch mehr.

        VG

  4. Vielen Dank für die interessante Sendung. Gerade solche Themen sollten viel häufiger auch in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Gerade das Gefühl ganz alleine zu sein, und sich niemandem anvertrauen zu könnnen, kann dann in der der Ambivalenzphase dazu führen, dass die Suizidgedanken in die Entschlussphase übergehen. Eine breite öffentliche Diskussion kann dazu beitragen dieses Thema aus dieser Tabuzone herauszuholen. Natürlich nur in der guten Qualität, wie wir sie aus dem Psychcast gewohnt sind.
    Ihr hattet bei 16:40 von einem Fragebogen gesprochen. Könnt ihr den noch online stellen, oder verlinken?
    Danke im Voraus.
    Beste Grüße aus Hamburg
    Oliver

  5. Danke für den interessanten Podcast – ich habe ihn mehrmals gehört – weil immer mal ein Teil überhört wurde…

    Könnt ihr nicht mal einen podcast über ptbs und DIS machen

    Danke und liebe grüsee

  6. Interessante Innenansicht, auch weil ich viele relevante Problemstellungen vermisse: Nach einem missglückten Suizidversuche (Trauma, Depression,soziale Isolation durch Erkrankungen + Armut) vor vielen Jahren wurde ich laut RW auf die “bessere” (weil nicht so restriktiv und schnell mit Fixierungen etc) von 2 geschlossenen Stationen/KH in unserer Stadt gebracht.
    Die Umstände dort waren zum Fürchten: Massive Enge, schlechte Luft durch ein nicht isoliertes Raucherzimmer, schalltragende Böden und extrem laute und verbal übergriffige männliche Patienten. Das Pflegepersonal schritt zwar ein, konnte aber im Grunde genommen auch nicht verhindern, dass es wieder passierte.
    Essen musste im Gemeinschaftssaal eingenommen werden, was leider widerlich bis unhygienisch war. Ich werfe das keinem der Patienten vor, die sind eben krank/stark medikamentiert; nur war es für mich in dieser Situation extrem beängstigend, da half auch das Tavor nicht. Und es hat mich gelehrt, sollte ich irgenwann nochmal in eine solche Lebenssituation geraten, darf ich auf keinen Fall auf so eine Station geraten. Wie auch immer.
    Das verhindert natürlich, dass ich bei suizidalen Gedanken ehrlich mit meinem Arzt sprechen kann, weil die Angst vor einer Einweisung zu groß ist.

    Mitpatienten haben mir von anderen Stationen in unserem Landkreis erzählt, und dort soll es noch schlimmer sein – schnelle Zwangsmedikamentierung, rabiatere Behandlung durch Pflegepersonal, “Knastgefühl”.

    Zum Glück gab es auf der Station einen guten Arzt, der mich nach wenigen Tagen auf eine offene Station entlassen hat und sich auch schonmal 20-30 min Zeit für mich genommen hat. Das war leider später nicht mehr so, da waren die Termine auf 10-15min beschränkt. Die offenen Stationen, die waren zumindest nicht so eng und geruchsintensiv, man konnte in einen Garten gehen. Auch gab es da Patienten, mit denen ich Kontakt aufnehmen konnte. Und zuletzt eine tolle Sozialarbeiterin, die mir zumindest etwas Hoffnung machen konnte. Leider gab es keine Psychotherapien o.ä., nur etwas magere Beschäftigung.
    Vorher kannte ich nur psychosomat. Kliniken und hatte mir immer vorgestellt, dass eine Psychatrie ähnlich, nur betreuungsintensiver ist. Pustekuchen, absurderweise ist das Gegenteil der Fall. Die Arztermine sind noch kürzer, und auch nur wöchentlich.
    Kaum Heilung/Nahrung für die Seele. In Summe eher eine Art Vergewaltigung.

    Gibt es auch Psychatrien, die das anders machen?

    Ich verstehe den Grundgedanken einer geschlossenen Station mit engerer Überwachung zum Schutze des Patienten vor sich selber. Aber gehört die Abschreckung/Verängstigung mit zum therapeutischen Konzept? Was ist üblicherweise das therapeutische Konzept einer geschlossenen Station jenseits der Medikation, die ja wie Sie mehrfach in Ihrem Blog erklären, alleine nie nachhaltig hilft?

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