Im ersten PsychCast nach der kleinen Sommerpause geht es um verschiedene Gefühle, die wir für Euch einmal gründlich sezieren. Wir philosophieren über zu Unrecht vernachlässigte Gefühle und die wichtigen Funktionen derselben.
Da die Sendung schon eine Weile voraufgezeichnet ist, können wir auf aktuelle Fragen und Rückmeldungen nicht eingehen. Ihr könnt aber noch für die BETTER CALL PsychCast Folge alle Fragen über die Psyche einreichen, die Euch interessieren (die angesprochene Sex-Folge ist bereits erschienen).
Die Fundsache der Woche ist das Buch Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert von Marie Kondo.
Danke!
Gefühle sind echt kompliziert. Die von euch genannten Gefühle kenn ich diesmal alle.
Eifersucht konnte ich mir nicht wirklich vorstellen, Neid schon eher.
Schlechtest Gewissen, Gewissensbisse sind das Schuldgefühl? Richtig verstanden?
Bei Depression hab ich Schuld so erlebt, dass ich kein Selbstwert und kein Selbstvertrauen hatte und auch dachte, ich bin eine Last für alle, sodass ich mich schuldig fühlte. Die Folgen waren dann, dass ich nichts Gutes an mich heranließ, weil ich es nicht „verdiene“ und habe erwartet von allen und von mir selbst bestraft werden zu müssen.
Das Kinobeispiel mit der Angststörung und Stolz kenn ich auch. 🙂
Auch wenn ich mal Stolz merke, bedeutet er mir kaum was und ich denke, der ist falsch da. Ich habe jetzt den Trick, dass ich jemand anderem erzähle, was ich „geschafft“ habe und dann sage, dass ich mir wünsche, dass der stolz auf mich ist. Mir ist das so viel mehr wert, wenn jemand anderes wirklich stolz auf mich ist. Ich muss es natürlich dem Menschen glauben können.
Gibt es auch eine Diagnose(?), wo man übersteigerte Freude hat? So wie bei einer Angststörung nur mit Freude?
Jetzt könnt ihr mir noch verraten, wie ich das „Magic Cleaning“ oder „halber Besitzt“ an meinen Freund bringe. 😉
Der macht das Gegenteil und ich leide an viel zu viel Zeug, das mir gar nicht gehört, in einer kleinen Wohnung. Vor lauter Sachen seh ich meinen eigenen Besitz kaum mehr.
Hallo Mina, ja es gibt die Angststörung mit Freude, die nennt sich Manie. LG
Liegen nicht alle Gefühle im „Spektrum“ von Funktional = gut bis hin nach dysfunktional = krank oder in der Tendenz dazwischen?
Zu Schuld:
Ich las bei Schuld von einer Unterteilung zwischen verschiedenen Schul-Arten die ich alle sehr interessant fand und die alle dem Kapitel Dysfunktionale Beziehungen insbesondere zu den Bezugspersonen zuzuordnen wären wo ich durchaus sehe dass sie auch z.B. Depressionen auslösen könnten:
Als Autor wurde Matthias Hirsch genannt der da auch verschiedene Bücher dazu geschrieben hat über Schuld:
1Basisschuld -des so seins wie man ist oder dass sich die Eltern ein Mädchen statt eines Jungen gewünscht haben etc
2 Schuld aus Vitalität der Jugend
3 Trennungsschuld z.B wenn Kinder sich angrenzen wollen
4 Traumatische Schuld.
Interessant wäre auch noch die Verbindung mit dem Erziehunsstil nämlich Autoritärer Erziehung und darin angewandter -teils unbewusst über Generationen weitergegebener Erziehung und den Methoden der „schwarzen Pädagogik“ : Beschuldigen&Schuld induzieren,Beschämen;Drohen und körperliche Züchtigung -Gewalt in der Erziehung las ich wurde erst 2000 unter Strafe gestellt und verboten.
Wäre tatsächlich daher interessant zu fragen wie die Patienten erzogen wurden da dürfte vieles sich erklären zumal-meine Vermutung-in der Generation der Großeltern die in den 1920er Jahren aufwuchsen und auch in den Elterngenerationen bis zu den 70ern die autoritäre Erziehung ggf noch die vorherrschende war.
Im März 26 kam dazu das Buch „Jetzt bin ich schon wie meine Eltern“ raus-Cecile Loetz und Jakob Müller.
Auch das zweite Buch der Autoren „Mein größtes Rätsel bin ich selbst“ beschreibt die „Therapie eines Narzissten“ ,wo auch krass schlimme autoritäre Erziehungsmethoden eine Rolle spielen und wo der Autor&Therapeut auch schildert,wie der Narzisst seine Tochter permanent hänselt aufgrund ihrer Figur.Die Geschichte hat mich echt bewegt.Auch die Fallgeschichte der weißen Depression war sehr bewegend hinsichtlich der Geschichte der depressiven Mutter und des aus beruflichen Gründen als Fernfahrer meist abwesenden Vaters.Scheint so als würde jetzt endlich auch dieses Tabu-Thema endlich in der Literatur angegangen werden.
Damit in Zusammenhang steht ja auch das Thema Alexithymie in all ihren Facetten was in dem Podcast Rätsel des Unbewussten auch detailliert beschrieben wird unter Querverweis auf die verwandten Themen des Mentalisierens und des Containing.
Im gleichen Kontext stehen dann ja auch Sprüche wie:
Eigenlob stinkt, Hochmut kommt vor dem Fall;Freu Dich nicht zu früh;Zum Lachen in den Keller gehen.
Ich habe gelesen dass im Zusammenhang mit Erschöpfungserkrankungen als Hauptkonflikt der Selbstwertkonflikt -vielleicht repräsentiert durch das Emotions- Paar Stolz zu Scham und (Selbst-)überhöhung zu (Selbst-)abwertung (Impostorsyndrom)erwähnt wird -gefolgt von den Problemen wie hohes Kontrollbedürfnis und sehe stark ausgepräges Autonomie &Autarkiebedürfnis die dann auch in die Erschöpfung führen.Kann ich für mich jedenfalls bestätigen.Insofern möchte ich beide Bücher empfehlen.