PC029 Berufsbilder Psychiater und Psychosomatiker im Krankenhaus

In der neuen Ausgabe des PsychCasts sprechen wir aufgrund mehrerer HörerInnenwünsche locker und unvorbereitet über die Arbeit in den benachbarten Fachgebieten Psychiatrie & Psychotherapie und Psychosomatische Medizin & Psychotherapie, die in Deutschland zwei getrennte Facharztweiterbildungen sind. Jan widerlegt viele Klischees der Psychiatrie und erklärt, warum Interesse an der Somatik wichtig ist. Er macht deutlich, was die Vorzüge der Psychiatrie sind und welche Vorstellungen im Fachgebiet enttäuscht werden könnten. Alexander versucht am Beispiel der internistischen Psychosomatik den Facettenreichtum der Psychosomatischen Medizin deutlich zu machen. Dabei geht er weniger auf den großen Bereich der Psychotherapie ein, sondern beschreibt seine Erfahrungen aus der Akutpsychosomatik in der Klinik.

Spürbar wird, dass eine Abgrenzung der Fächer gar nicht so leicht fällt und auch Spannungen zwischen den Fachgruppen bestehen – wir aber trotzdem Spaß an unserer Unterhaltung haben! Es könnte nötig werden, Euch in einer weiteren Folge zum Thema Berufsbilder weitere Infos zu geben über: Theorieweiterbildung in den Fächern, wie läuft eine Weiterbildung in Psychotherapie (Verhaltenstherapie, Psychodynamische Psychotherapie, Psychoanalyse) ab, was ist mit der ambulanten Arbeit und wie sind die Karrieremöglichkeiten und die Chancen auf eine gute Work-Life-Balance. Also, there’s more to come!

Viel Spaß!

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6 Gedanken zu „PC029 Berufsbilder Psychiater und Psychosomatiker im Krankenhaus

  1. Hallo,

    Also das Psychologen-Bashing find ich ziemlich schwach von euch. Die Aussage, dass Ärzte schneller seien als Psychologen, weil sie ein Gespräch in 15 Minuten statt in 50 Minuten durchführen finde ich gelinde gesagt entwertend.

    Ich bin definitiv für eine flexible Gestaltung des Therapiegespräches. Manchmal reichen auch 20 Minuten. Es müssen nicht immer die bekannten 45 oder 50 Minuten sein. Aber aus der Erwartung eines jungen Psychologen auf ein 50 minütiges zu machen, dass sie langsamer seien entbehrt jeglicher Grundlage und ist zumindest mal extrem unkollegial liebe Kollegen.

    In diesem Sonne einen schönen Sonntag.

    P.S. Nach der Aussage habe ich den Podcast ausgeschaltet. Also bezieht der Kommentar sich auf die ersten 13 Minuten.

    • Hey Sandro! So war das natürlich nicht gemeint. Natürlich sind beide Berufsgruppen gleich schnell und gleich produktiv. Es bestehen nur unterschiedliche Erwartungshaltungen, wie lange ein Gespräch dauert. D.h. natürlich nicht dass Ärzte in einem kürzeren Gespräch mehr schaffen als Psychologen. Bitte verstehe mich nicht falsch.

  2. Ich werde wohl nicht mehr auf Medizin umschulen, trotzdem fand ich diese Folge interessant.

    Ich bin verwirrt darüber, was denn Psychiater machen. Welche Patienten zu ihnen kommen, hab ich verstanden. Das sind ja andere als bei der Psychosomatik. Am Ende sagt ihr, dass ein Psychosomatiker mehr mit Psychotherapie zu tun hat als ein Psychiater. Ich hab mir das immer komplett anders vorgestellt. Ist auf jeden Fall gut zu wissen.

    Mich interessiert, wie die Geschlechterverteilung ist. Bei den Psychologischen Psychotherapeuten sieht es für mich so aus, als wären da fast nur Frauen. Bei Psychiatern mit eigener Praxis sieht es für mich gemischt aus. In Krankenhäusern sieht es für mich so aus, dass da mehr Männer sind und vor allem, dass Männer höhere Stellen haben und Frauen die niedrigeren. (Das leite alles nur aus dem, was ich gesehen habe als ich als Patientin mich informiert habe, um Hilfe zu bekommen. Also extrem subjektiv und auch noch örtlich eingeschränkt.)

  3. Vielen Dank für die Sendung und die Einblicke in Euren Berufsalltag! Für mich als evtl Interessierter an einem Psycho-Fach waren einige neue Informationen dabei- z.B. der hohe Anteil an über die Notaufnahme aufgenommenen Patienten in der Psychiatrie und dass Psychotherapie zur ärztlichen Aufgabe in der Psychosomatik gehört. Dass Teamarbeit gut funktioniert (ich möchte miteinstimmen- da könnten sich einige Fachrichtungen eine Scheibe von abschneiden! ). Entscheiden könnte ich mich aktuell trotzdem nicht für eine der beiden Fachgebiete, da klingt Ihr beide jeweils zu überzeugt und zufrieden 🙂

  4. Mein Psychiater versucht, mit notorisch guter Laune und stets freudig erregt seinen dem Rheinland verpflichteten Kollegen, Autoren und Comedian – Verschnitt Dr. Lütz zu imitieren. Darauf habe ich keine Lust, weil gar zu urkomisch und gehe dort nicht mehr hin. Basta

  5. Hallo Ihr beiden,

    ich höre Euren Podcast seit der ersten Sendung und möchte mich mal zunächst bedanken. Ich finde die Folgen hörenswert und informativ und mag auch den subjektiven Charakter. Zu mir selbst: Ich habe zunächst den Facharzt Physikalische Medizin und Rehabilitation gemacht und kam dann über die Schmerztherapie zur Psychosomatik, seit über 5 Jahren arbeite ich in einer großen Psychosomatischen Klinik in Bayern und mache demnächst den Facharzt Psychosomatik und Psychotherapie.

    Bei dieser Sendung fand ich die subjektive Darstellung des Facharztes Psychosomatik sehr unbefriedigend, weil sie aus meiner Sicht ein verzerrtes Bild des Faches gibt. Dass die Weiterbildung in gemischt internistisch-psychosomatischen Abteilungen erfolgt, ist ja nicht die Regel, sondern die Ausnahme (ich kenne das überhaupt nur von den Universitätskliniken in Heidelberg, Tübingen und Berlin). Der viel häufigere (Regel-)Fall ist eine Weiterbildung in reinen psychosomatischen (Reha-)Kliniken oder Abteilungen. Dort gibt es z.B. meistens gar keine Notaufnahme, sondern die Patienten werden ausschließlich elektiv, also geplant aufgenommen. Und der Schwerpunkt der Ausbildung ist ganz klar die Psychotherapie (hieß ja früher auch Facharzt für Psychotherapie). Auch im niedergelassenen Bereich machen die meisten Ärzte (leider) reine Psychotherapie. Alexander lässt ja einmal anklingen, dass das Potential des Facharztes (nämlich die behandlung von psycho-somatischen und somato-psychischen Beschwerden, also gerade die Verbindung aus körperlichen und psychischen Beschwerden) bisher kaum genutzt wird, wenngleich der politische Wille klar dahingeht, dies in Zukunft zu verändern. Nach der neuen WBO wird es (nach aktuellem Stand) weder das Pflichtjahr Psychiatrie noch Innere Medizin mehr geben, sondern eine vierjährige Ausbildung Psychosomatik und Psychotherapie und ein Jahr in einem somatischen Fachgebiet. Was ich gut finde, denn der zweite angesprochene Aspekt ist ja, dass Psychosomatik kein eigenes Fachgebiet ist, sondern ein Querschnittsfach, das einen bestimmten Zugang zum Patienten und ein Blickwinkel auf Krankkheiten beinhaltet. Und “psychosomatische” Patienten gibt es in allen Fachgebieten, wo die entsprechenden Krankheiten oft als “funktionelle Störungen” (meist Schmerzen wie Craniomandibuläre Dysfunktion, chron. Beckenbodenschmerz, chron. Prostatitis, aber auch Globusgefühl, Schwindel, etc.) eingestuft werden und dringend einer psychosomatischen Betrachtung bedürften.
    Nach meiner Beobachtung ist die erforderliche Ausbildung in Psychotherapie und auch der psychosomatische Aspekt in der psychiatrischen Weiterbildung sehr mangelhaft. Das ist in Deutschland schon ein klares akutmedizinisches Fach und sehr biologisch-medizinisch orientiert, d.h. auf Diagnostik und Pharmakotherapie fokussiert. So zumindest meine Erfahrung und Beobachtung.
    Viele Grüße
    Daniel

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