PC023 Antidepressiva

In dieser Folge widmen wir uns einem wiederholt von Euch geäußertem Wunsch: Wir besprechen die Frage: „Welches Antidepressivum gebe ich wem und warum?

Warum wir in diesem Zusammenhang auch über die Auswahl des richtigen Rotweines zum Grillen sprechen, erfahrt ihr ganz am Anfang der Episode.

Außerdem berichten wir kurz über ein Interview des Hoaxilla-Podcasts mit dem Hochstapler Gerd Postel, das ihr hier finden könnt.

17 Gedanken zu „PC023 Antidepressiva

  1. Guter Podcast, leider mit kleinen Ungenauigkeiten.

    Paroxetin ist zum Beispiel der unreinste SSRI, bindet zusätzlich an viele andere Rezeptoren wie M, H1, Dopamin, Noradrenalin etc. und hat daher diverse SSRI untypische Nebenwirkungen.

  2. Fand es sehr interessant und vor allem anschaulich und nachvollziehbar erklärt, danke dafür! 🙂

    Eine Frage zu dem Abschnitt über Zwangsstörungen hätte ich: Macht es Sinn, wenn die Wirkung nicht als stark genug empfunden wird, von einem SSRI auf ein anderes umzustellen? Wenn ich es richtig verstanden habe, würdet ihr in diesem Fall eher Clomipramin dazu geben? Habe Verschiedenes dazu gehört und geraten bekommen und bin gerade ein bisschen für mich am Recherchieren, was sinnvoll wäre.

  3. Danke für die gute Erklärung der Wirkungsweisen. Es wäre in diesem Zusammenhang noch interessant, wann ADs wieder abgesetzt werden sollten und, ob sie auch ohne psychotherapeutische Begleitung über längere Zeiträume verschrieben werden sollten. Eine weitere Frage stellt sich nach dem richtigen Ausschleichen von ADs (z.B. Dosierung außerhalb der angebotenen Mengen) und dem alltäglichen Umgang mit Nebenwirkungen.

  4. Hallo Dr. Jan Dreher, hallo Dr. Alexander Kugelstadt

    Sie erläutern nachvollziehbar und schlüssig den Einsatz von Antidepressiva, Ihre Argumentation ist logisch und lässt nahezu keine Lücken für Fragezeichen.

    Vor meinem Erfahrungshintergrund ist das absurd und ich musste zwischendurch pausieren, um mich zu fangen. Schon mit mehreren Antidepressiva wurde ich traktiert und nicht nur brachte keines die mir versprochene Wirkung, sondern summa summarum verschlimmerte die Psychopharmakotherapie meine Befindlichkeit enorm.

    Überhaupt nicht hinterfragen Sie den Nutzen von Antidepressiva, obgleich es bereits einige Studien gibt, die die Wirksamkeit bezweifeln (paradebeispielsweise die Metaanalyse von Irving Kirsch).
    Zudem gehen Sie nur sehr unzureichend auf die möglichen Neben-/ unerwünschten Wirkungen ein. In Anbetracht dieser bunten Tüte gemischter Torturen, halte ich es jedoch für unabdingbar diese zu thematisieren.

    Gestört hat mich außerdem immens, dass Sie die Absetzproblematik nur kurz als Resonanz auf die Zuschrift einer Ihrer Psychcastrezepienten ansprechen. Leider habe ich mit den Langzeitfolgen sehr schlimme Erfahrungen gemacht und mache diese immer noch.
    Seit mehr als einem halben Jahr bin ich dabei Venlafaxin abzusetzen und leide massiv unter Entzugserscheinungen, die mir den Boden unter den Füßen weggezogen und mich außer Gefecht gesetzt haben.
    Im Vorfeld haben mich die behandelnden Ärzte nicht darüber informiert – verdammt, ich hätte das Zeug doch nicht genommen, wenn ich über diese Konsequenzen Bescheid gewusst hätte!
    Schlimm daran ist außerdem, dass ich aufgrund der Unkenntnis meiner Behandler dieses Martyrium zum zweiten Mal durchleiden muss. Nach Absetzen von Duloxetin traten – mit starker (!) Zeitverzögerung – diverse körperliche Symptome auf, die kein Arzt erklären konnte und über ein Jahr lang anhielten. Zu diesem Zeitpunkt war mir das „SSRI-Absetzsyndrom“ (https://de.wikipedia.org/wiki/SSRI-Absetzsyndrom) noch nicht bekannt.

    Immer wieder bin ich bei Fachleuten auf Nichtwissen oder gar Abstreiten des Absetzsyndroms gestoßen. Und ein Einzelfall bin ich keineswegs (siehe hierzu das Forum von und für Betroffene http://www.adfd.org)
    Im englischsprachigen Raum ist dieses Phänomen als „SSRI discontinuation syndrome“ mehr oder weniger bekannt, eine spezielle Ausprägung davon ist PSSD (http://rxisk.org/post-ssri-sexual-dysfunction-pssd/)

    In Anbetracht solcher massiver Folgen der Antidepressivaeinnahme, hätte ich mir gewünscht, dass Sie auch diese finsterste Schattenseite des Psychopharmakaeinsatzes beleuchten.

    Gänzlich unverständlich ist mir, wieso die kritischen Stimmen (derer es mittlerweile eine ganze Menge gibt) kaum in die psychiatrische Praxis durchdringen und weiterhin psychoaktive Substanzen wie Bonbons verteilt werden.

    Bitte überdenken Sie ihre Einstellung und Handhabe bezüglich der Medikation – jeder, der durch „Heilmittel“ so endet wie ich, ist einer zu viel!

    Viele Grüße.

    • Hallo und vielen Dank für Ihren ausführlichen und gut nachvollziehbaren Kommentar. Ich würde das gerne aufgreifen, insofern, als dass wir das Thema “Psychopharmaka ja oder nein – Schaden und Nutzen” oder so ähnlich mit auf unsere Liste der Themenvorschläge aufnehmen. Sicher werden wir beiden da auch sehr unterschiedliche Auffassungen haben. In dieser Folge war ja das Thema “welches Antidepressivum für wen”, was ja zunächst voraussetzt, dass man ein solches Medikament einsetzt – aufgrund welcher Faktenlage auch immer. Was da auf Sie so befremdlich wirkt ist vielleicht unter anderem, dass wir versuchen eine Diskussion zur Zeit zu führen und bei solch einem Spezialthema nicht alle damit verbundenen grundsätzlichen Probleme und Fragen diskutieren können und wollen.
      Viele Grüße vom PsychCast!

      • Danke für die Antwort 🙂
        Tatsächlich hatte ich lediglich “Antidepressiva” im Bewusstsein und nicht beachtet, dass das Thema den Einsatz dieser Mittel bereits impliziert.

        Ich finde es toll, dass Sie die Risiken von Psychopharmaka als Themanvorschlag auf ihre Liste setzen und es wäre absolut in meinem Sinne, wenn Sie dazu eine Podcastfolge machten.

        viele Grüße!

    • Das hört sich ja schrecklich an. Ich habe von Venlafaxin auf Fluoxetin gewechselt und hatte 6 schlimme Wochen, aber zum Glück ging es mir danach schon wieder gut.
      Ich würde in der gleichen Situation wieder zu Venlafaxin greifen, weil es ja auch wirklich sehr gut geholfen hat, auch wenn es blöde Nebenwirkungen hatte, wie ständiges starkes Schwitzen und ständiger starker Heißhunger, also auch Gewichtszunahme, die mich verzweifeln lassen haben. Mit Flouxetin hab ich solche Nebenwirkungen nicht, aber ich merke auch, dass es weniger gut wirkt als Venlafaxin, also die Depressions- und Angststörung-symptome kommen jetzt stärker durch als es bei Venlafaxin der Fall war.
      Ich mache mir aber auch sorgen um das Absetzen, ich hoffe ich schaffe das irgendwann, weil ich nicht mehr die jüngste bin und gerne Kinder bekommen möchte und sie nicht in der Schwangerschaft mit Medikamenten in Mitleidenschaft ziehen möchte. Ich nehme Medikamente seit fast 3 Jahren und werde noch mindestens 1 Jahr weiter nehmen. Ich hoffe, ich werde es irgendwann ohne Medikamente schaffen.

  5. Höre mir gerade alles an. Leide bereits seit 30 Jahren an endogener Depression. Ich bin auch der Meinung, dass die alten Erklärweisen (endogen, neurotisch, reaktiv) viel besser waren. Was auch zu beachten ist, kam hier auch zur Sprache, ist die Phase, bis das Medikament wirkt. Ich habe es mehrfach erlebt, dass der Antrieb so stark gesteigert wurde, dass Suizidgedanken und sogar Impulse aufgetreten sind. Ich habe mich dann sofort an mein Behandlungskrankenhaus gewendet. Bei einer Umstellung gehe ich heute sowieso in die Klinik. Vor 2 Jahren hab ich auch erstmals EKT bekommen. Jetzt nehme ich 20 Citalopram und Lithium, da festgestellt wurde, dass in der Vergangenheit auch Hypomanieen vorgekommen sind.

    • Der Suiziddruck kann auch durch die Antidepressiva kommen. Auch die manischen Phasen können durch Antidepressiva ausgelöst werden. Insofern ist vielleicht Ihr heutiger, sehr hoher Leidensdruck Folge der Medikamente bzw. des Versuches, eine damalige Depression mit ADs zu behandeln.

      Dabei ist es so einfach: Sport (Bewegung), Ernährung und Denken. Da verdient nur keiner dran.

  6. Von elementarer Wichtigkeit ist meines Erachtens auch das Überdenken der leichtfertigen AD-Verordnung an erstmals erkrankte Patienten, die Symptome zeigen, die scheinbar einer unipolaren Depression zugeordnet werden können – was sie unter den in der realen Praxis obwaltenden (Zeitmangel-)Bedingungen viel zu oft zu schnell auch werden – die tatsächlich aber an einer Bipolar II -Störung leiden, was gegebenenfalls anhand ihrer Reaktion auf SSRI post hoc ersichtlich wird – schlimmstenfalls durch Suizid.
    Prof. Dr. Henry A. Nasrallah hat hierzu Erhellendes mitzuteilen und nennt Orte, an denen man sich dieser Problematik noch nicht bewusst geworden ist und an denen man die nicht wunschgemäß reagierenden Patienten, so sie denn überleben, Non-Responder nennt, Nischen überdauernden Nichtwissens.

  7. Interessant wäre auch die – angeblich bereits vor Zulassung bekannte – krebsfördernde Wirkung der AD. Dann bekäme die Diskussion vielleicht einen ganz anderen Anstrich..

    • Ich hab von einer krebsfördernder Wirkung bei AD noch nie etwas gehört. Wie funktioniert das denn? Wer hat das untersucht und was genau ist denn herausgekommen?

      Ich vermute eher, dass Leute mir Krebs eher AD nehmen als dass Leute mit AD dann auch noch Krebs zusätzlich bekommen.

  8. Hallo Jan Dreher,
    interessanter Podcast. Vielleicht auch mal einen über Benzodiazepine. Ich habe auf Ihrer Website gelesen, dass Ihr bevorzugtes Mittel Diazepam ist und das ist ja das Mittel, das früher unter dem Namen Valium doch ziemlich in Verruf war;-)
    2,5 mg wirken bei mir wie k.o.-Tropfen und ich falle gleich in Tiefschlaf oder torkel durch die Gegend, weshalb ich sowas wie Oxazepam (besser bekannt als Adumbran) als viel “milder” und ohne Nebenwirkungen wahrnehme.

  9. Mögen sich die Herren Doktoren und gestandene PsychCaster nicht vielleicht doch zu einer zumindest kurzen Reaktion hinreißen lassen ?
    Sooo erscheint es mir etwas dürftig..

  10. Leide seit nun mittlerweile 18 Monaten an einer schweren Depression. Aus Angst vor Antidepresiva (solte Venlafaxin einnehmen) habe ich es dann doch mit hochdosiertem Johanniskraut ( von Vogel aus der Apotheke 1.800 mg per Tag) versucht. NAch mehreren Wochen hat es mich dann aus der Akutphase geholt aber leider hift es nicht gegen SChmerzen und Angst. Allerdings habe ich auch keinerlei Nebenwirkungen. Laut meiner Psychiaterin habe ich eine gute Entscheidung getroffen.Sie sagt AD unterstuetzt nur die
    Episode aber heilen muss sie von alleine. Nur habe ich nach so vielen Monaten kaum noch Hoffnung auf ein Ende dieser Episode und extreme Angst vor einer eventuell spaeteren erneuten. Es war die Hoelle am Anfang. Ein Wunder dass ich noch lebe. Habe dem Impuls mich zu toeten kaum wiederstehen koennen und kein Arzt hat die Depression drei Monate lang erkannt obwohl ich sogar erwaehnt habe nur noch schwarzes gitzerndes Wasser zu sehen in das ich mich ertraenken will oder das ich mit solchen schrecklichen Schmerzen nicht mehr leben kann. Eine Schande, dass Hausaerzte AD verschreiben duerfen. Meine Psychiaterin erkannte in 10 Minuten was mit mir los war und hat mir SChritt fuer SChritt meine schwere Kranheit erklaert und gesagt jede Episode geht vorbei. Aber auch mit Johanniskraut ????

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